Stunts für den Trabant 601 Kübel


Autor: Jürgen Meißner

Im Jahr 1985 wurde Ulli Melkus vom Motorsportverband gebeten, einen Stunt mit dem Trabant 601 Kübel Tramp Cabrio durchzuführen. Der Grund: Das IFA-Kombinat PKW wollte einen Werbefilm drehen, der in den Kinos des Westens im Vorspann laufen sollte. Das Ziel war es, diesen umgearbeiteten Trabant Kübel in westlichen Ländern vertreiben zu können. Der Auftrag für den Film wurde einem Dresdner Filmproduzenten übertragen.

Ulli Melkus gab den Auftrag an mich weiter und so erfuhr ich vom Konzept. Der Trabant sollte filmisch durch die Luft fliegen oder besser schweben. Dazu sollte ein weibliches Model im Auto mit herunter geklapptem Verdeck eine Bewegung machen, die den Flug durch Hochreißen der Arme in ein Glücksgefühl umsetzen sollte. Der Fahrer spielte als Person keine Rolle.

Das Model kam aus Dresden, damals wohnhaft in der Wormser Straße. Sie war durch die etwas alberne Seifenwerbung: "Siehst du ein Ding mit Streifen, denke an Patina-Seifen" bekannt geworden.


Für den Stunt suchten wir in der Umgebung von Dresden eine Straße, die schon naturgemäß einen Sprunghügel hatte. Diesen Hügel fanden wir auf einer Straße zwischen Moritzburg und Bärwalde. Der Regisseur ließ die Straße für 2 Stunden sperren.

Ich hatte den Auftrag eine Idee zu entwickeln, wie wir den kopflastigen Trabant wenigstens den Bruchteil einer Sekunde mit allen vier Rädern in der Luft halten konnten. So erfand ich eine Rampe, die mit ca. 60 km/h zu treffen war. Der Assistent brachte zum Drehort ein paar Bohlen und zwei nur 25 cm breite Bretter mit. Diese musste ich treffen...

Also setzte ich meinen Rennhelm auf und probierte erst mit Schrittgeschwindigkeit, dann immer schneller den Rampenflug. Hätte ich die Bretter nur einmal verfehlt, dann wäre der Dreh für Wochen erledigt und ich der Blamierte gewesen.

Als nach etwa 10 Versuchen meine Risikobereitschaft so weit war, dass der Regisseur mit seinem Kameramann den Flug inszeniert sah, musste das Model ran und ich den Helm absetzen. An diesem Tag war es recht kalt und das Model sollte mit sommerlich leichter Kleidung das Hochreißen der Arme freudig darstellen und laut dabei jauchzen.


Links im Bild der Kameramann im Seitenstreifen lauernd

Als dann "scharf" gedreht wurde, verfehlte ich die Rampe tatsächlich nicht, aber der Flug war aufgrund der Zuladung nicht mehr weit genug. Also musste ich noch etwas an Geschwindigkeit zulegen. Und das Model riss die Arme nicht hoch genug und der Jauchzer war eher ein Piepser.

Mit zunehmenden "Klappen" wurde die angedachte Situation nicht wirklich besser. Jedes Mal, beim Aufschlagen des armen Trabants nach dem Flug, stauchte es die Dame derart zusammen, dass sie immer nur mit Schwierigkeit ihren Körper von der Windschutzscheibe fernhalten konnte. Einen Sicherheitsgurt anlegen war nicht möglich, weil das Model beim Hochreißen der Arme auch noch aus dem Sitz aufstehen sollte.

Nach etwa einem halben Dutzend Versuchen war das Model fix und fertig und ich triefnass. Der Regisseur war bedingt zufrieden und meinte, aus den vielen Filmschnitten den Flug mit freudig jauchzender Beifahrerin ausreichend darstellen zu können.

Rennen fahren schien mir ab diesem Moment einfacher zu sein. Aber die verdienten 500 Ost-Mark rechtfertigten den Einsatz.

Was aus dem Film geworden ist, weiß ich nicht. Es wurde erzählt, dass er nie in den westlichen Kinos gezeigt wurde. Schade - nach so viel Einsatz!