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Viel fachliches Können stellte ein Herr Keil aus Chrieschwitz bei Plauen unter Beweis. Dieser fertigte für mich die Karosserie aus Glasfaser verstärktem Kunststoff. Vorab wurde eine Negativform in der Möbeltischlerei des damaligen Druckmaschinen Herstellers  Plamag aus Holz gefertigt. Der Rennwagen wurde samt Achsen, jedoch ohne Motor kopfüber eingelegt. Dies stellte die Grundform der späteren getrennt voneinander getragenen Karosserieteile dar. Besonderheiten waren hierbei die Luftkanäle beider vorderen Räder zur besseren Ableitung der Bremswärme sowie der Luftkanal des Frontkühlers welcher keinen Staudruck durch den Fahrtwind erzeugte sondern zielgerichtet durch den Kühler dahinter abgeleitet wurde. Ebenfalls war die Heckpartie in der Draufsicht so gestaltet dass mittels Unterdruck die warme Luft aus dem Motorraum durch Vertiefungen in der Karosserie abgeleitet wird. Das hierfür verwendete Material, z.B. Glasfaser war zeitweise im Handel frei erhältlich. Das Polyesterharz dazu wurde mir in Form eines Fasses vom Leipziger ADMV zur Verfügung gestellt. Ein rundum gelungenes Konzept. Laut Reglement mussten auch zwei Türen mit gestaltet und angebracht  werden – diese konnten geöffnet - wurde von mir aber nie verwendet. Diese wurden genutzt um beide Alutanks zu Befüllen. Beide Behälter befanden sich rechts und links in den Seitenkästen zur besseren Gewichtsverteilung. Halter für diese dienten gleichzeitig zur Befestigung von Karosserie und Türen. In den Tanks wurden sogenannte Prallbleche verbaut…ein Ausschäumen der Tanks kannten wir damals noch nicht. Zwei Wartburg  Scheinwerfer und Lada Blinker wurden unter den rechtwinkligen  Vertiefungen in  Frontteil rechts und links eingebaut. Darüber eine Makralonscheibe und fertig war die formschöne Front. Heckleuchten wurden  vom RS 1000 verwendet…im Gegensatz zu den Frontscheinwerfern wurden diese verkabelt. Rückspiegel und der Überrollbügel wurden im Laufe des Jahres 74/75 geändert. Die Rückspiegel rechts und links wurden entfernt und ein zentraler Rückspiegel – wie man ihn als Innenspiegel vom Pkw kennt wurde rechts von der Mitte mittels eines Dreibeins angebracht. Der Überrollbügel - dieser war aus Rundstahl gefertigt -  wurde gekürzt. Das sparte Gewicht und sah auch besser aus.




Die Lackierung wurde in Plauen durchgeführt. Gelb und Violett war der  damalige Farbwunsch meiner Frau Barbara. Farbvorschläge meines damaligen Sponsors „Germina – Sportgeräte der DDR“ gab es nicht – wenn man diesen überhaupt als Sponsor bezeichnen konnte. Im Jahr 74 fuhr ich in Bautzen auf der Autobahnspinne mein erstes Rennen und siegte vor Anger und Jacob (Melkus Pt 73,Rs 1000). Im Jahre 75 gewann ich alle Bergrennen und Rundstreckenrennen und wurde DDR Bester.

Mein Spyder war in der Bauzeit von nur einem Winter entstanden. Wohl ist es vielen Helfern und Enthusiasten zu verdanken dass dieses Projekt entstehen konnte. Zu der damalige Zeit und den dafür zur Verfügung stehenden Mittel wohl heute undenkbar. Besonderen Dank gilt auch meinem damaligen Angestellten und ständigen Spyder Monteur Gerald Renz aus Gansgrün.


Klaus Ludwig

Neudörfel am 23.06.2020