Die letzte DDR-Rennwagenserie
ML89 - ML90 - MB90 - M90


ML 89 - Henrik Opitz 2006 in Most/CZ

ML 89, der Name steht für Melkus-Lada 1989. Dieses Rennauto ist der einzige fertiggestellte Prototyp und sollte als Baumuster dienen, für eine neue Rennwagengeneration für die DDR-Sportler, die den doch schon etwas "betagten" MT 77 ablösen sollte.

So baute z.B. Bernd Kasper die Vorderachskörper, Nils-Holger Wilms die Hinterachse, Frieder Kramer übernahm die Achsgeometrie, Hans-Jürgen Vogel die Lenkung, Henrik Opitz und Stefan Perner das Getriebe, die Stoßdämpfer kamen von Holger Galle, die Zündung von Gerd Bischoffsberger, der 6-Punkt-Sicherheitsgurt von Jürgen Meißner usw. Die Prototypenfertigung, soll heißen Anpassung und Montage übernahmen u.a. Ulli und Peter Melkus, Frank Nutschan und Jens Smollich.

Das Auto entsprach dem damaligen Formel-3-Reglement mit Knautschzonen an den Seiten und den Füßen des Fahrers hinter der Vorderachse. Um das Auto unkompliziert nachbauen zu können, wurde auf das damals in der Formel 3 schon übliche Monocoque verzichtet und wieder auf einen Gitterrohrrahmen mit Glasfaser-Karosserie zurückgegriffen. Nach zahlreichen Versuchen im Windkanal entschied man sich wiederum für das Heck mit "Kohlenkasten" vom MT 77.

Als Motor wurde von Anfang an der Lada 1600 gewählt, der ab 1986 im Ausland gefahren wurde und ab 1989 auch in der DDR für die Spitzenfahrer obligatorisch wurde. Dazu kam das von Henrik Opitz neu entwickelte Getriebe. Dieses wurde gegenüber den Vorgänger-Modellen MT 77 um 180° gedreht, so dass man zum Wechsel der Übersetzung nicht mehr das Getriebe ausbauen musste, sondern durch Abschrauben des hinteren Deckels verschiedene Gänge umstecken konnte. Den Bau der Innereien des Getriebes übernahm dann letztendlich Rennfahrerkollege Stefan Perner, da der Bau der aktuell eingesetzten MT-Getriebe bei Henrik Opitz Vorrang haben musste.

Aufgrund der mit dem ML 89 gesammelten Erfahrungen sollte 1990 ein neuer Prototyp, der ML90 entstehen. So wurde die Vorderachse komplett neu konstruiert und der Schwerpunkt des Motors etwas mehr nach unten und nach vorn verlagert, damit das Fahrverhalten ausgewogener wird. Realisiert werden sollte das durch eine von Henrik Opitz entwickelte Trockensumpfschmierung des Motors (wodurch die Ölwanne wegfiel und der Motor tiefer eingebaut werden konnte) und einen diese aufnehmenden Zwischenflansch zwischen Motor und Getriebe.

Diese Entwicklungen wurden jedoch von den politischen Veränderungen in der DDR förmlich überrollt. Durch die Zusammenarbeit von Ulli Melkus mit der BMW AG ergaben sich neue Perspektiven. So wurde die finale Fertigstellung eines ML90 („L“ für den 1600er Lada Motor) übersprungen und die Neuerungen flossen alle in den MB90 ein. Dieser wurde mit einem 1600ccm BMW-Motor und einem Hewland-Getriebe versehen. Daher die Bezeichnung „B“ hinter dem Buchstaben „M“, wie Melkus.

Als MB90 wurden 2 dieser Fahrzeuge gebaut noch einige Zeit von Ulli Melkus und Bernd Kasper gefahren. Ullis Auto erwarb nach seinem tragischen Tod Nils-Holger Wilms, der damit noch etliche Jahre in der Formel-Euro fuhr und das Auto heute wieder zurück gerüstet auf den Lada-1600ccm-Motor mit der Sonderbezeichnung "M90" im ADAC Historic Cup Ost (früher HAIGO) einsetzt.

Der von Bernd Kasper gefahrene MB90 blieb im Inventar des Autohauses Melkus und steht heute im BMW-Autohaus Melkus in Chemnitz. Dieser Rennwagen ist der Einzige der MB90-Serie, der noch völlig im Original zu sehen ist. Leider fehlt ihm das Steuerteil, dass die BMW AG zurückgefordert hatte.

Die Reste des ML 90 Prototypen wurden später von Frank Brendecke aufgekauft (auch die Opitz'sche Trockensumpfschmierung) und das Fahrzeug komplettiert, später mit Opel-Motor versehen, in der Formel-Euro eingesetzt.


ML89 - Ulli Melkus
M90 - Nils-Holger Wilms - Ex MB90 von Ulli Melkus
Original MB90 von Bernd Kasper - Standort heute BMW-Autohaus Melkus in Chemnitz